Brauche ich eine eigene Werkstatt?

Ich lese derzeit ein sehr interessantes Buch über das “Wie” und “Warum” des Möbelbaus. In diesem Buch legt der Autor dem Leser nahe jeden Tag in die Werkstatt zu gehen und mindestens eine Kleinigkeit zu erledigen. Sei es das Schärfen eines Stechbeitels oder einfach nur um aufzuräumen, sodass man beim nächsten Projekt sofort loslegen kann. Nachdem ich diesen Tipp nun über fast einen Monat hinweg beherzigt habe und jeden Tag für mindestens 20 Minuten in meiner Werkstatt war (da meine Werkstatt nicht zu Hause ist, ist das für mich leider nicht ganz so einfach), stand ich nun gestern da und habe mich gefragt: “brauche ich überhaupt eine eigene Werkstatt”? Ein – wie ich finde – sehr gut passendes Thema für einen ersten Blogbeitrag.

Wie kam es zur eigenen Werkstatt?

Ich habe – wie wahrscheinlich viele andere Hobbybastler auch – mit dem angefangen, was mir von Seiten des Elternhauses zur Verfügung gestellt wurde. Die einzigen Elektrowerkzeuge waren ein Akkuschrauber der Marke “Workzone” (Aldi-Süd) sowie eine Stichsäge der Firma “Bosch” (grün). Neben diesen beiden Elektrowerkzeugen stand mir noch ein kleines Konvolut an Handwerkzeugen zur Verfügung. Hammer, Säge, Schraubendreher, Messwerkzeug, etc.

Ich fing also mit diesem einfachen Werkzeug und einem Brett an auf einem ausgemerzten Küchentisch zu arbeiten. Ohne Ahnung, ohne Fachkenntnisse und ohne großartig ausgeprägtes Geschick. Damals dachte ich nicht im Traum daran, dass ich eines Tages mal eine Werkstatt wie meine aktuelle haben könnte. Voller Maschinen und hochwertigen Hilfsmitteln. Ich habe einfach gemacht und habe mich recht wenig darum gekümmert ob ich eine Werkstatt brauche oder nicht. Auch habe ich anfangs noch nicht daran gedacht mir immer neues Werkzeug zu kaufen, sondern habe das vorhandene Werkzeug so weit getrieben, wie ich eben konnte.

Aus heutiger Sicht weiß ich dank Instagram, YouTube und dem Austausch mit “Gleichgesinnten”: ich hätte aus der alten Stichsäge und dem Akkuschrauber noch wesentlich mehr herausholen können als ich damals zustande gebracht habe, aber dazu ein anderes Mal mehr.


Nach ein wenig Übung und mit voranschreitender Zeit kam ich auch auf ganz passable Ergebnisse. Bilderrahmen und einfachere Möbelstücke waren recht schnell gemacht und werden zum Teil sogar heute noch benutzt. Es ist schon ziemlich cool zu sehen, wie die Anfänge mal ausgesehen haben. Regalbretter einfach durch eine Außenwand sichtbar mit dem Korpus verschraubt. Unsaubere Gehrungen bei Rahmen, Spaltmaße jenseits von gut und böse, etc. Und dennoch bin ich heute immernoch mega stolz auf das, was ich damals mit einer Hand voll Werkzeug zustande gebracht habe.

Irgendwann mit der Zeit, als ich dann ausgezogen bin, hatte ich einen kleinen Werkraum im Keller mit eben diesem Werkzeug und ich dachte immernoch nicht daran eine richtige Werkstatt daraus zu machen – nicht im Sinne von “ich will nicht”, sondern mir kam der Gedanke einfach nicht.  Schließlich wurden die Ergebnisse immer besser und das Geld für zusätzliches Werkzeug konnte ich mir so sparen. Warum auch, wenn die Stichsäge alles sägt, was ich so brauche!?!
Das Problem dabei war: ich hatte Nachbarn und ich mag Nachbarn nicht sonderlich. Damals wie heute. Das einzige, was die machen ist sich zu beschweren oder neugierig nach irgendwas zu fragen. Vielleicht liegts an mir, vielleicht auch nicht – who cares!?! Jedenfalls wars denen immer zu laut und obwohl ich die Ruhezeiten penibelst eingehalten habe und Abends (zwei bis drei mal die Woche) bis spätestens 19 Uhr im Keller war, war das immernoch zu viel.

Dem Hausfrieden zur Liebe habe ich mich dann auf die Suche nach einem Raum begeben, in dem ich in Ruhe meinem Hobby fröhnen konnte. Das war der Moment (ich glaube es war September 2018) an dem ich aktiv angefangen habe mich nach einem Raum umzusehen – einem Raum, den ich zu einer richtigen Werkstatt machen konnte. 

Und dann kam die Werkstatt

So entwickelte sich das bei mir über die Jahre. Immer einen Schritt nach dem anderen bin ich mehr oder weniger in eine Werkstatt “hineingezwungen” worden.

Im Endeffekt muss ich sagen, dass ich ohne Werkstatt wohl produktiver wäre. Versteht mich nicht falsch. Ich liebe meine Werkstatt. Ich liebe es einfach dort Dinge zu optimieren, Regale zu bauen, Vorrichtungen zu entwickeln, etc. Dort meine Zeit zu verbringen. Das macht alles mega Laune und lenkt vom alltäglichen Wahnsinn ab.

Und genau das ist auch der Grund, aus dem ich weniger produktiv bin. Als ich nämlich mit der ganzen Holzgeschichte anfing, wollte ich Möbel, Lampen, Messerblöcke und andere sinnvolle Dinge für unsere Wohnung basteln. Stattdessen habe ich mich ein Stück weit in meine Werkstatt verliebt und baue und optimiere diese fast ausschließlich. Das hat sich irgendwie einfach so ergeben. Warum – weiß ich nicht genau.
Wer jedoch meinem Instagram Profil folgt, weiß wovon ich rede 🙂 .

Nach über einem Jahr Auf- und Umbau kann ich nun jedoch sagen, dass ich fertig bin. Es gibt ja das altbekannte Sprichwort: “Eine Werkstatt wird niemals fertig” und ein bisschen kann ich dem Sprichwort sogar abgewinnen, aber irgendwann kommt man an den Punkt, an dem man sich denkt “habe ich eigentlich nur eine Werkstatt um eine Werkstatt zu haben!?!”. Dieser Punkt ist bei mir gerade erreicht.

Die Kehrseite der Medaille

In letzter Zeit bin ich recht viel bei YouTube und Instagram unterwegs und schaue mir verschiedene Profile und Projekte an. Ihr glaubt ja nicht, was da draußen alles gemacht wird und wieviel ohne richtige Werkstatt alles möglich ist.

Neuerdings habe ich einen YouTuber abonniert (den easyalex), der mit einem Akkuschrauber, einer Stichsäge, einem Schleifgerät und einem Brett auf zwei Böcken einfach richtig coole Projekte rund um Haus und Garten umsetzt. Seien es nun Möbel, Balance Boards oder andere coole Dinge. Mega einfaches Werkzeug, was auch schnell ohne Spezialkenntnisse einfach benutzt werden kann. Und am Ende kommen eben richtig schöne Projekte dabei heraus.

Einen weiteren Aha-Effekt in letzter Zeit hatte ich beim Surfen auf Instagram. Da habe ich einen Kollegen entdeckt, der ein Boot baut. Ohne Werkstatt, ohne Raum, ohne krasse Maschinen – in seinem Wohnzimmer! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: er baut ein Boot mit einfachsten Mitteln in seinem Wohnzimmer! Überzeugt euch selbst!

Wenn ich solche Dinge sehe, werde ich schnell neidisch und hinterfrage immer, warum ich eigentlich eine Werkstatt brauche. Klar ist es richtig cool eine eigene Werkstatt zu haben. Allein schon als Rückzugsort, aber wenn man sieht, was andere Menschen so ohne Werkstatt in ihren Häusern, Wohnungen und Gärten ohne Werkstatt zustande bringen, dann ist das schon schwer beneidenswert. Man konzentriert sich einfach auf die Projekte, die man tatsächlich umsetzen möchte und läuft nicht Gefahr den ganzen Tag die eigene Werkstatt zu optimieren.

Fazit - brauche ich eine eigene Werkstatt?

Diese Frage kann am Ende des Tages wohl nur jeder für sich selbst beantworten. Ich als Hobbybastler kann dies für mich mit einem klaren “Nein” beantworten. Eine Werkstatt mit vielen tollen Werkzeugen und Maschinen erleichtert einem zwar viele Dinge, aber ich persönlich habe dadurch das für mich wesentliche aus den Augen verloren: Möbel und andere coole Sachen für meine Frau, meinen Kater und mich zu bauen! Und genau darauf werde ich mich in nächster Zeit konzentrieren.

Wie siehst du das ganze Thema? Brauchst du unbedingt eine Werkstatt oder denkst du, dass es auch ohne geht?
Lass es mich gern in den Kommentaren wissen 🙂 .

Gutes Werkzeug für den Einstieg

Wenn du gerade mit dem Holzwerken beginnen willst, dann schau dir gern mal das Werkzeug hier unten an. Qualitativ gut verarbeitet und perfekt um erste kleine Möbelstücke zu bauen 🙂 .

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